2. ADVENT - DER WEIHNACHTSBAUM

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Um die 1,2 Millionen Christbäume im Wert von 50 Mio Franken werden alljährlich in der Schweiz verkauft. 60 Prozent der Bäume stammen aus dem Ausland, hauptsächlich aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Am gefragtesten ist hierzulande nach wie vor die Nordmanntanne (65%). Diese kommt meist aus dem Ausland. Dahinter folgen die heimische Rot- und Weisstanne (20%), die Blaufichte (5%) sowie andere Baumarten wie Korktanne oder Engelmannfichte (10%). Einmal aufgestellt, ragt der Christbaum in Schweizer Stuben durchschnittlich 1,60 Meter in die Höhe. Für ein zehn Jahre altes Exemplar kostet um die 50 Franken. Und noch ein statistischer Wert: Am meisten Bäume wandern jeweils drei Tage vor Heilig Abend vom Anbieter zum Käufer.

Schweizer Bäume unterliegen hohen Qualitätstandards 

«Hiesige Christbäume werden nach strengen Standards kultiviert. Im Schweizer Wald ist der Einsatz von Spritz- und Düngemitteln absolut verboten.» Philipp Gut ist Vorstandsmitglied der IG Suisse Christbaum. Der Dachverband vereint unter seinem Dach 230 Produzenten aus der Land- und Forstwirtschaft. «Schweizer Bäume sind oft bio, ohne dass man es gross anschreiben muss», sagt er. Deshalb hält er auch nicht viel von einer ­speziellen Auszeichnung. Auf die Schweizer Herkunft würden im Übrigen verschiedene Labels hinweisen, so zum Beispiel «IG ­Suisse Christbaum» oder «Schweizer Holz». 

Wie dekoriere ich meinen Weihnachtsbaum?

Jedes Jahr die gleiche Frage: Sollen wir den alten Schmuck aus dem Keller holen oder doch neuen kaufen? Diese Weihnachten wird wieder auf klassisch gesetzt: Dekoriert wird der Baum in Rot, Grün und Gold. Farben, die eine mystische Stimmung ins Wohnzimmer zaubern. Rot und Gold stehen für Wärme und Harmonie. Und davon kann man über die Festtage kaum genug bekommen. Vorsicht hingegen ist bei Grün geboten, da sich Kugeln in diesem Ton nicht allzu sehr vom Christbaum abzuheben können. «Richtig kombiniert setzen sie jedoch einen pfiffigen Akzent», meint Ana Maria Haldimann. 

Woher kommt der Weihnachtsbaum eigentlich?

Seinen Ursprung hat der Weihnachtsbaum im heidnischen Brauchtum. Schon im Mittelalter verzierten die Menschen Haus und Hof mit den immergrünen Zweigen von Tanne, Mistel und Wacholder. Im späten 16. Jahrhundert wurde es dann im Elsass Brauch, den Weihnachtsbaum mit Süssigkeiten zu schmücken; die Kerzen kamen im 18. Jahrhundert hinzu. Im 19. Jahrhundert schließlich wurde der geschmückte Weihnachtsbaum immer populärer, erst in den Städten, dann auch auf dem Lande.

Allmählich wurde der Weihnachtsbaum zur festen Requisite in bürgerlichen Wohnzimmern. Bald gab es die ersten mundgeblasenen Glaskugeln. Es wurde Lametta entwickelt, um das Glitzern von Eiszapfen zu simulieren, und eine Zeit lang waren Weihnachtsbaumständer, die sich auf einer Spieluhr drehten, der letzte Schrei. Während diese Mode heute verschwunden ist, hat sich der klassische Weihnachtsschmuck bis heute erhalten. Die klassischen Farben sind noch immer Rot und Grün, Gold und Silber.

Spätestens mit der Säkularisierung des Bürgertums erlebte das Weihnachtsfest dann einen regelrechten Boom: Für christliche und jüdische Familien wurde der Weihnachtsbaum zunehmend zum Ersatz für religiöse Inhalte. Zugleich wurde er zu einem Zeichen für die Assimilation der Juden: Auch Theodor Herzl, Wegbereiter für den Zionismus, stellte in seiner Wohnung einen reich geschmückten Weihnachtsbaum auf.

Der Weihnachtsbaum ist ein überaus bürgerliches Symbol. Er breitete sich zunächst in protestantischen Regionen aus, weil sich die katholische Kirche lange gegen den heidnischen Weihnachtsbaum als 'Anti-Krippe' zur Wehr setzte. Erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind Weihnachtsbäume in katholischen Kirchen erlaubt - als Zugeständnis an das bürgerliche Brauchtum. Papst Johannes Paul II. schließlich führte 1982 den Brauch ein, auf dem Petersplatz in Rom einen Weihnachtsbaum aufzustellen.

Dabei gehört es zur schönen Illusion, dass der Weihnachtsbaum als urwüchsiges Naturprodukt im Wald geschlagen wird. Die Realität ist ernüchternd: Der Baum aus dem Wald ist eine Rarität. Tannen und Fichten wachsen heute auf Plantagen. Bis die Bäume Heiligabend im Lichterglanz erstrahlen, haben sie bis zu zehn Jahre intensiver Pflege hinter sich. 

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